Backe muss nicht sein!
Enzyme beschleunigen den Heilungsprozeß nach dem Zahnziehen
Gesundheit heute 1997, Heft 4 Juli-August 1997 - G 9629
310 KN
Übersetzung der Zusammenfassung ins Tschechische
Niemand sitzt gern beim Zahnarzt, und kaum jemandem bleibt die trotz Betäubung schmerzhafte Prozedur erspart, wenn einmal ein Zahn gezogen werden muß. Das Schlimmste an einer Zahnextraktion kommt jedoch nach dem eigentlichen Eingriff, denn er ist eine regelrechte Verletzung des Körpers. Eine blutende Wunde klafft im Kiefer, hochanfällig für Entzündungen und so empfindlich, daß der umgebende Bereich kräftig anschwillt. Die Folge: eine dicke Backe und Wundschmerz, der lange anhält - oft bis zu sieben Tagen.
Das muß nicht sein. Die moderne Zahnmedizin geht neue Wege. Schon vor einem Eingriff
verabreichen viele Zahnärzte ihren Patienten Enzympräparate, damit die Wundheilung
unmittelbar nach der Operation einsetzt und schneller vonstatten geht.
Was sind Enzyme? Es sind Biokatalysatoren - also Stoffe, die Stoffwechselvorgänge in
unserem Körper begünstigen oder überhaupt erst möglich machen. Ohne Enzyme wäre das
Leben undenkbar. Enzyme sind an fast allen biochemischen Vorgängen im Körper beteiligt,
vor allem an Atmung, Wachstum, Verdauung, Blutgerinnung und Heilung. Für die beiden
letztgenannten Prozesse sind die Enzyme Bromelain und Trypsin "zuständig", die
nach dem Zahnziehen in der Kieferwunde wirken und auf diese Weise die Zeit der Beschwerden
nach dem Eingriff verkürzen. Dabei ist die Gefahr einer Wundinfektion durch Bakterien im
Mund äußerst gering, denn die Enzyme greifen jeden Eindringling sofort an - wie eine
Gesundheitspolizei.
Durch eine entsprechende Ernährung, reichhaltig an Enzymen (früherer Name: Fermente),
würden mit Sicherheit viele Heilungsprozesse schon im Vorfeld beschleunigt werden.
Besonders enzymreiche Lebensmittel sind: rohes, reifes Obst, Gemüse, Salate, Keimlinge,
Papaya, Ananas, Mango. Da aber eine Reihe besonders wichtiger Enzyme in Lebensmitteln
"versteckt" sind, die nicht zum Gabentisch der mitteleuropäischen Natur
gehören, müssen sie in komplizierten Verarbeitungsprozessen gewonnen werden. So
importiert die pharmazeutische Industrie beispielsweise Pulver aus Ananasstrünken, um
Bromelain, oder Latex aus der Papaya-Frucht, um das Enzym Papain zu gewinnen.
Das Ergebnis sind Enzympräparate in Form von Spritzen, Salben oder Dragees, wobei es sehr
auf die Zusammensetzung und das Mischungsverhältnis in diesen Kombinationspräparaten
ankommt. Ein Beispiel für ein solches "Allround-Medikament" ist Wobenzym N (aus
der Apotheke) - in Dragee-Form und mit einer Schutzschicht versehen, damit die Wirkstoffe
nicht schon durch die Magensäure zersetzt werden, sondern sich erst dort entfalten, wo
sie am wirkungsvollsten sind: im Darm.
So kann die Wundheilung, beispielsweise nach dem Entfernen eines Weisheitszahnes, schon
vor dem eigentlichen Eingriff optimal vorprogrammiert werden. Dr. Kurt Vinzenz,
Kieferchirurg und Chefarzt am Neuen Evangelischen Krankenhaus in Wien, hat die Probe auf's
Exempel gemacht: In einem Doppelblindversuch mit 80 Weisheitszahn-Patienten gab er rund
der Hälfte von ihnen vorbeugend Enzymdragees vor der Operation. Die anderen erhielten
Placebos (also Dragees gleichen Aussehens und Geschmacks, jedoch ohne Wirkstoffe). Bei den
Patienten, die vorbeugend Enzyme eingenommen hatten, verlief die Wundheilung nach dem
Ziehen des Weisheitszahnes wesentlich schneller.
Wollen Sie mehr über Enzyme wissen? Die Medizinische Enzymforschungsgesellschaft in München gibt Auskunft:
Med. Enzymforschungsges. e.V.
Luisenstraße 25
80333 München
Tel. 08171/518300 .