Reduzierung von Strahlennebenwirkungen durch hydrolytische Enzyme
Beaufort F.
Universitätsklinik für Radiologie, Landeskrankenhaus Graz, Auenbruggerplatz, Graz
Therapeutikon, 1990, Vol. 4, No. 10, pp. 577-580
WM 49 (1-04-1)
Kurzfassung
Im Rahmen einer randomisierten prospektiven klinischen Studie über die
Strahlennebenwirkungen nach Radiatio bei Karzinomen im Abdominalbereich, an der 57
Patienten teilnahmen, erhielten 25 Patienten zusätzlich zur Strahlentherapie ein
Präparat aus hydrolytischen Enzymen und Thymusextrakt.
Trotz Randomisierung war das Patientengut in den beiden Gruppen unterschiedlich. In der
Vergleichsgruppe betrug die Dauer des stationären Aufenthaltes im Mittel 5,7 Wochen, und
in der Gruppe, die zusätzlich zur Strahlentherapie noch das Enzympräparat erhielt, 6,6
Wochen. Ein Unterschied zwischen beiden Patientenkollektiven war auch in bezug auf die
innerhalb fünf Wochen verabreichte kumulative Strahlendosis feststellbar. Die Patienten
der Kontrollgruppe hatten im Bestrahlungszeitraum durchschnittlich 46,7 Gy erhalten, die
Patienten der Enzymgruppe hingegen durchschnittlich 53,4 Gy.
Die im Studienzeitraum aufgetretenen Nebenwirkungen infolge der Bestrahlungstherapie -
überwiegend waren es Beschwerden des Gastrointestinal- und Urogenitaltraktes waren jedoch
in bezug auf Häufigkeit und Schwere in beiden Gruppen vergleichbar. Die Dauer der
Nebenwirkungen zeigte einen statistisch signifikanten Vorteil zugunsten der Enzymtherapie,
trotz der aggressiveren Therapieregime: in der Kontrollgruppe dauerten die Nebenwirkungen
durchschnittlich 24,6 Tage, in der Enzymgruppe hingegen im Mittel nur 13,8 Tage, d. h. die
Strahlennebenwirkungen hielten in der Enzymgruppe um 43,9% kürzer an als in der
Kontrollgruppe. Die gemessenen Laborparameter hatten sich im Verlauf der Therapie nicht
oder nur unwesentlich verändert. In Doppelblindstudien sollen diese Ergebnisse nun
verifiziert werden.
Schlüsselworte: Strahlennebenwirkungen, Strahlentherapie, Enzymtherapie