Wissenschaftliche Grundlagen der Enzymtherapie

Ransberger K.

Acta medica empirica 1983, Nr. 3, pp. 107 - 110

WE 22 (19-02-2)


Einleitung Untersuchungen der letzten Jahre haben eindeutig ergeben, daß Enzyme neben ihrer biochemischen Funktion als Biokatalysatoren auch pharmakodynamische Wirkungen haben. Neben der Anwendung der Enzyme zur Substitutionstherapie von Verdauungsstörungen finden sie seit über 20 Jahren ausgedehnte Anwendung als weitgehend untoxische, nichtsteroidale, also nichtimmunsuppressive Entzündungshemmer mit antiödematöser Wirkung. Auch bei durch Gefäßablagerungen verursachten Arterio- und Venopathien werden Enzyme mit guten therapeutischen Erfolgen eingesetzt.
In der adjuvanten Krebstherapie und in der Prophylaxe maligner Geschwüre und Metastasen haben Enzyme einen wichtigen Stellenwert in Klinik und Praxis erreicht. Nachdem mit Enzymen Viruserkrankungen bei Großtieren mit hervorragenden Ergebnissen bekämpft werden konnten - dies gilt insbesondere für die Papillomatose - sprachen Enzyme auch bei humanen Virusinfektionen überraschend gut an: So ist Herpes zoster, der oft mit Tumorerkrankungen einhergeht, geradezu eine Domäne für proteolytische Enzyme geworden. Für den Zoster am Auge (Z. ophthalmicus) gibt es zur Therapie mit proteolytischen Enzymen derzeit keine Alternative. Auch die verschiedenen Herpes simplex-Arten (z. B. Herpes labialis, Herpes progenitalis) können sehr gut mit Enzymen angegangen werden. Darüber hinaus scheinen Enzyme bei Multipler Sklerose, von der man noch nicht sicher weiß, ob sie tatsächlich von Viren oder Viruspartikeln verursacht wird, recht gut zu wirken.
Verhältnismäßig neu sind chronische und auch autoaggressiv ablaufende, progrediente Entzündungen als Indikation für die Enzymtherapie. Dazu gehört in erster Linie die rheumatoide Arthritis (früher "chronische Polyarthritis"), aber auch andere primär entzündliche Rheumaformen (z. B. M. Bechterew, Weichteilrheumatismen) und die Kollagenosen (z. B. Lupus erythematodes, Dermatomyositis, Sklerodermie).