Systemische Enzymtherapie - Aktueller Stand und Fortschritte
Wrba H.
Therapiewoche 1987, Vol. 37, No. 7 (Separat MUCOS)
SO 11 (19-02-3)
Am 22. November 1986 fand in München eine Arbeitstagung statt, auf der in- und
ausländische Experten über ihre Erfahrungen mit der Enzymtherapie berichteten. Unter der
Leitung von Prof. Dr. Dr. H. Wrba, Wien, wurde der Einsatz von Enzymen in
der Rheumatologie, bei Immunkomplexerkrankungen, in Traumatologie, Chirurgie, Onkologie
und bei Entzündungen und Gefäßerkrankungen referiert und lebhaft diskutiert.
Bereits vor zirka 200 Jahren wurde die proteolytische Aktivität von Enzymen aus dem
Verdauungstrakt therapeutisch genutzt. Um 1900 untersuchte J. Beard in England an 70
Krebspatienten die Wirkung von intravenös verabreichtem frischem Pankreasextrakt und
erreichte erstaunliche Ergebnisse. 1934 berichteten Freund und Kaminer über eine
Enzymbehandlung.
Die eigentliche Entwicklung der Enzymtherapie begann jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg. Ab
1950 setzte man in den USA die wichtigsten Proteasen Trypsin, Chymotrypsin, Papain
und Bromelain für die Behandlung von Entzündungen und für die Fibrinolyse ein.
Streptokinase und Urokinase werden seit 1960 in der Fibrinolysebehandlung angewandt.
Ab 1969 sind die Enzymkombinationen Wobe-Mugos und Wobenzym (beides Enzymkombinationen
verschiedener tierischer und pflanzlicher Gewebe) im Handel. Wobenzym so führte K.
Ransberger, Grünwald, in seinem Einführungsvortrag aus, gehört in Deutschland
zu den anerkannten Arzneimitteln, insbesondere für die Behandlung des postthrombotischen
Syndroms und der Venenentzündungen. Der Einsatz bei rheumatischen Erkrankungen ist
relativ jung.
Wobenzym wirkt entzündungshemmend, antiödematös und ist ein Fibrinolyseinduktor. Vor
ca. 10 Jahren begann eine Untersuchung über die Wirkung der Enzyme auf Immunkomplexe und
immunkomplexbedingte Erkrankungen. Neue Versuchsergebnisse lassen darauf schließen, daß
bei einer Reihe von Autoaggressionserkrankungen durch Enzymbehandlung
Immunkomplexeliminierung möglich sein wird und so die Behandlungsergebnisse verbessert
werden können.
Resorption von Makromolekülen und Eliminierung von Immunkomplexen
In der Medizin ist die Meinung immer noch weit verbreitet, daß Proteine und damit auch
Enzyme, nicht oder nur in sehr geringem Maße in intakter Form resorbiert würden.
Daß dies nicht der Fall ist, zeigt einmal die Tatsache, daß Kinder, die mit Muttermilch
ernährt werden, einen Schutz gegen bakterielle Erkrankungen erhalten. Dieser Schutz ist
durch die g-Globuline der Mutter, die einen hohen
Antikfrpertiter gegen bestimmte bakterielle und virale Erkrankungen aufweisen, gegeben.
Die Möglichkeit des kindlichen Organismus, große Moleküle, wie sie g-Globuline
darstellen, resorbieren zu können, soll im Laufe der Entwicklung verlorengehen.
Untersuchungen von Prof. Dr. J. Seifert, Kiel, wiesen jedoch nach, daß
auch erwachsene Tiere und Menschen großmolekulare Proteine in biologisch aktiver Form
resorbieren können.
Dazu wurde ein Pferde-g-Globulin mit antilymphozytdrem Titer
mit 13lJod markiert und Ratten, Hunden und Menschen verabreicht. Über eine
Beobachtungszeit von 6 Stunden stieg die Radioaktivität im Blut kontinuierlich an,
erreichte beim Menschen ein Plateau und fiel dann langsam wieder ab.
Der Nachweis, daß nicht nur Radioaktivität, sondern radioaktives Protein gemessen wurde,
konnte mittels immunologischem Testsystem erbracht werden. Durch
molekulargewichtsabhängige Trennung von radioaktiv-markiertem Serum des Hundes konnte
nachgewiesen werden, daß 21% des radioaktiven Proteins in großmolekularer und 79 % in
kleinmolekularer Form vorlagen. Bei der großmolekularen Form handelte es sich wie
Tests mit Anti-Pferde-g-Globulinen zeigten um
Pferde-Globulin.
Aus Ergebnissen weiterer Kontrolluntersuchungen konnte der Schluß gezogen werden, daß
wenigstens bei erwachsenen Hunden und Ratten Pferde-g-Globulin
in der biologisch aktiven grossmolekularen Form resorbiert werden kann. Ähnliche Versuche
mit Bromelain, einem Enzymgemisch, Insulin und Hämoglobin ergaben, daß die Resorption
von Enzymen nicht molekulargewichtsabhängig ist.
Zur Resorption der Enzymkombination Wobenzym sowie die Abbaubarkeit der Immunkomplexe
durch Wobenzym referierte PD Dr. J. Menzel. So wurde in
einem Versuch einem Hasen mehr als 1 g radioaktivmarkiertes Trypsin verabreicht. 2 Stunden
nach der Gabe war ein Maximum an Radioaktivität im Plasma erreicht, am Auftreten von
Äthylalkohol (Abbauprodukt) eines ebenfalls zugegebenen kleinmolekularen Substrates)
wurde die Enzymaktivität nachgewiesen.
In einer anderen Studie zeigte Menzel, daß Immunkomplexe mit Wobenzym abbaubar sind: Dazu
wurden zu Human-IgG-Antihuman-IgG vom Kaninchen steigende Mengen Wobenzym in Puffer (37
°C) gegeben. Innerhalb von 3 Stunden nach Inkubationsbeginn waren alle Enzymkomplexe
verdaut. Die Abbaurate wird mit steigendem Aptikörperüberschuß verringert.
Große Immunkomplexe und solche mit Antikörperüberschuß werden durch die Behandlung mit
Wobenzym in kleinere aufgespalten, auch ist Wobenzym in der Lage, die
Komplementaktivierung zu unterdrücken.
Enzymtherapie wirksam in der Rheumatologie
PD Dc. J. Smolen, Wien, berichtete über erste Untersuchungen mit dem
Enzymgemisch Wobenzym bei der chronischen Polyarthritis. Dazu wurden in einer offenen
Studie 42 Patienten mit chronischer Polyarthritis unterschiedlicher Aktivität über 4
12 Wochen mit Wobenzym behandelt. Bei 27 Patienten wahren die Tests für
zirkulierende Immunkomplexe positiv und bei 15 negativ. Bei 18 Patienten hatte die
Behandlung zur deutlichen Verminderung der Immunkomplexe geführt. Von diesen Patienten
war bei 13 die Erkrankung gebessert. Von den 9 Patienten, bei denen die Immunkomplex-Titer
weiterhin positiv blieben, war die Erkrankung bei 6 unverändert oder verschlechtert.
Eine Besserung des klinischen Zustandsbildes wurde bei 26 von 42 Patienten (60%)
beobachtet, bei 13 (30%) war es unverändert und bei 7% in den ersten 4 12 Wochen
der Enzymbehandlung verschlechtert.
Prof. Dr. G. Klein, Saalfelden, berichtete über eine offene
randomisierte Vergleichsstudie an Patienten mit chronischer Polyarthritis mit Wobenzym und
dem oralen Goldpräparat Auranofin.
Zweimal 10 Patienten (Alter zwischen 24 und 66 Jahren) mit gesicherter chronischer
Polyarthritis Stadium l (2 Patienten), 2 (11 Patienten) oder 3 (7 Patienten) wurden mit 4
x 4 Dragees/die Wobenzym bzw. 6 mg Auranofin/die über 6 Monate behandelt. Dis Patienten
waren im Durchschnitt bereits 7 Jahre erkrankt. 12 Patienten waren rheumafaktorpositiv, 8
rheumafaktornegativ. 6 Patienten zeigten hohe entzündliche Aktivität (BSG > 40), 14
Patienten mäßige (BSG < 40).
Unter Wobenzym wie Auranofin waren Ruheschmerz, Bewegungsschmerz, Druckschmerz und
Schwellung vermindert, Griffstärke und Faustschlußkraft erhöht, die Dauer der
Morgensteifigkeit verkürzt.
In beiden Medikationsgruppen waren keine signifikanten Veränderungen der Laborparameter
festzustellen. Durch Wobenzym wurde bei keinem Patienten eine Nebenwirkung verursacht,
unter Auranofin trat ein Exanthem auf. Aufgrund der Erfahrungen in dieser Pilotstudie
empfehlen die Untersucher eine Dosiserhöhung auf 4 x 8 Dragees.
Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Mulsal (Enzymgemisch aus Trypsin, Lipase,
Amylase, Chymotrypsin, Papain, Bromelain und Pankreatin) bei Weichteilrheumatismus
untersuchte Dr. W. Vogler, Marburg, in einer multizentrischen Praxisstudie.
Bisher wurden 70 Patienten (42 weiblich, 28 männlich, Durchschnittsalter 55 Jahre) mit
rheumatischen Erkrankungen wie Muskelrheumatismus (35 Patienten), Periarthropathie-Syndrom
(42 Patienten), Epikondylitis humeri (10 Patienten) mit Mulsal über 8 Wochen behandelt.
In 80% der Fälle lagen mittelschwere bis schwere Erkrankungen vor.
Unter Mulsal gingen besonders der quälende morgendliche Anlaufschmerz, der aktive
Bewegungsschmerz und der Belastungsschmerz zurück. Die Bewegungseinschränkung war
deutlich reduziert.
Insgesamt waren nach 8 Wochen Mulsal-Behandlung nach Beurteilung des Arztes wie des
Patienten gute bis sehr gute Therapieergebnisse zu verzeichnen (Tab. 1), auch die
Verträglichkeit wurde von beiden Seiten als gut beurteilt (Tab. 2). 50% der untersuchten
Fälle konnten gemäß Protokoll abgeschlossen werden, in 30 % wurde mit Mulsal
weiterbehandelt. 2 Patienten brachen die Therapie wegen Unverträglichkeit, 2 wegen
aufgetretener Nebenwirkungen ab, 2 Patienten verweigerten die weitere Einnahme des
Präparates. Auftretende Nebenwirkungen wie weicher Stuhl/Diarrhö,
Magenbeschwerden/Völlegefühl, Übelkeit/Brechreiz konnten meist durch kurzzeitige
Dosisreduktion beseitigt werden.
Tabelle 1 Therapieergebnis bei letzter Untersuchung
Urteil Arzt (n) |
Urteil Patient (n) |
|
(1) sehr gut |
17 |
19 |
(2) gut |
23 |
24 |
(3) mäßig |
4 |
1 |
(4) unbefriedigend |
1 |
1 |
(5) schlecht |
0 |
0 |
keine Angabe |
25 |
25 |
Median |
2,0 (gut) |
2,0 (gut) |
Mittelwert |
1,76 |
1,64 |
Über den Einsatz der Enzymtherapie bei der Arthrosits deformans berichtete Dr. R.
Inderst, Geretsried. Die aktivierte Arthrose kann durch Gabe von Enzymen hinreichend
behandelt werden. So wurden in einer Pilotstudie von Eberle, Wien (1977) 30 Patienten (23
mit Arthrosen der großen Extremitätengelenke, 7 mit Fingerpolyarthrosen) mit 3 x 5
Dragees Wobenzym/die über 6 Wochen behandelt. Bei akuten und subakuten Fällen trat eine
deutliche Besserung ein.
In einer kontrollierten Studie von Frau Dr. Hörger, Bad Wiessee (1983), wurden 407
Patienten mit aktivierter Arthrose (220 Frauen, 187 Männer) über 4 Wochen mit 3 x 5
Dragees Mulsal/die behandelt.
Tabelle 2 Verträglichkeit bei letzter Untersuchung
Urteil Arzt (n) |
Urteil Patient (n) |
|
(1) sehr gut |
28 |
28 |
(2) gut |
16 |
14 |
(3) mäßig |
1 |
3 |
(4) unbefriedigend |
0 |
0 |
(5) schlecht |
0 |
0 |
keine Angabe |
25 |
25 |
Median |
1,0 (sehr gut) |
1,0 (sehr gut) |
Mittelwert |
1,4 |
1,4 |
Innerhalb der Behandlungszeit besserte sich die Erkrankung um 40 60%, ein günstiges Ergebnis, insbesondere was die Funktionsbeeinträchtigung betrifft (Abb 1). Nur 2% gaben Nebenwirkungen an, wie Magendruck und gelegentlich, weicher Stuhlgang. Ein ähnliches Ergebnis erzielte Dr. M Panijel (1985). Insgesamt stellt die Enzymtherapie eine wirksame Behandlung der aktivierten Arthrose dar.

Die pathogenetische Bedeutung von Immunkomplexen
Immunkomplexe bauen sich aus Antikörpermolekülen, die ein entsprechendes Antigen
umschließen, auf. Hinzu kommen Komplementkomponenten, die die Antikörperwirkung vielfach
verstärken, so führte Prof. Dr. G. P. Tilz, Graz, aus. Das Verhältnis
Antigen zu Antikörper im Antigen-Antikörper-Komplex kann ganz unterschiedlich sein (z.
B. 1:2 oder 1:10).
Die Verweildauer der Immunkomplexe im Gefäßsystem hängt vom retikulohistiozytären
System und der Zusammensetzung des Komplexes ab. Immunkomplexe sind für die zellulären
Interaktionen verantwortlich. Darüber hinaus beeinflussen sie die humorale Regulation.
Insgesamt haben die Immunkomplexe einen beträchtlichen physiologischen Anteil an der
täglichen körpereigenen Abwehr.
Unter bestimmten Bedingungen können die Immunkomplexe pathogen werden, sie entziehen sich
der Körperregulation, erlangen eine Eigendynamik.
Zu Beginn einer Infektion liegen viele antigene Determinanten, z. B. Virusantigene, vor.
Nur ein Teil der Determinanten wird durch Antikörper abgebunden, so daß ein
Antigenüberschuß besteht. Gegen Erkrankungsende sind sämtliche antigenen Determinanten
blockiert, die Immunkomplexe haben ein hohes Molekulargewicht und werden durch das
retikulohistiozytäre System abgefangen. Damit ist die Krankheit beendet.
Tabelle 3 Klinische Beispiele von Erkrankungen mit nachweislichen Immunkomplexen
1. Medikamentenallergien |
4. Virusinfekte |
Serumkrankheit |
Akute Virushepatitiden |
Penicillamin-Nephropathie |
Chronisch aggressive Hepatitis mit Antigenämie |
HBs Antigenämie bei Polyarteriitis nodosa |
|
2. Allergische Alveolitiden |
Guillain-Barré-Syndrom |
Farmerlunge |
Infektiöse Mononukleose- Glomerulonephritis |
Champignonzüchterlunge |
|
Malzarbeiterlunge |
5. Parasitäre Infektionen |
Vogelzüchterlunge |
Malaria mit nephrotischem Syndrom |
Schnupfpulverlunge |
Leishmaniose |
Fischmehllunge |
Schlafkrankheit |
Taubenzüchterlunge |
Helminthen-Glomerulonephritis |
3. Mikrobielle Infektionen |
6. Erkrankungen mit gestörter Immunregulation |
Akute Poststreptokokken-Glomerulonephritis |
S.L.E. |
Syphillis |
Hashimoto Thyreoiditis |
Mykoplasma-Pneumonie |
PCP |
Subakute bakterielle Endocarditis |
|
Shunt Nephritis und -Vasculitis (Staphylokokkus albus) |
Die Phase, in der die Antigene nicht komplett gebunden sind und noch Antikörper mit
geringer Äktivität vorhanden sind, ist die Phase der Pathogenität mit ihren
Komplementaktivierenden Immunkomplexen. Unter bestimmten Bedingungen verbleibt ein
Individuum im Zustand der leichten Antigenämie und es bildet sich eine chronische
Immunkomplexerkrankung aus. Diese Erkrankung tritt z. B. bei viralen und bakteriellen
Infekten auf. Sie ist bei bestimmten Formen der Glomerulonephritis, Endo- und Myokarditis
und der Immunkomplexvaskulitis als Teilmechanismus nachgewiesen (Tab. 3).
Frau Dr. Ch. Neuhofer, Oberndorf/Salzburg, hat in ihrer Praxis bisher
über 300 Patienten mit Multipler Sklerose enzymtherapeutisch mit Wobe-Mugos, Wobenzym und
A-EMulsin behandelt. Bei 150 langzeitbehandelten Patienten (mehr als 1 Jahr; 43 mit
schubhaftem Krankheitsverlauf, davon 35 im akuten Stadium) konnte durch Enzymbehandlung
eine Remission erzielt werden. Von den 107 Patienten mit chronisch progredienter
Verlaufsform waren unter Enzymtherapie 43 Patienten wesentlich gebessert, 26 blieben
stabil und bei 12 Patienten hatte sich der Zustand verschlechtert. 24 hatten die Therapie
aus finanziellen Gründen oder wegen größerer örtlicher Entfernung abgebrochen.
Wichtig für einen guten Erfolg ist die sehr frühe Behandlung, die möglichst nach dem 1.
oder 2. Schub einsetzen sollte.
Enzymtherapie beschleunigt Ödemabschwellung und Schmerzfreiheit
In einer randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudie von Dr. M.-W. Kleine,
München, wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Wobenzym bei gesunden
Probanden untersucht, bei denen man experimentell ein Hämatom erzeugt hatte. 50 dieser
Probanden (29 Frauen, 21 Männer, mittleres Alter 25 Jahre) erhieten 3 x 10 Dragees
Wobenzym/die, 50 Probanden (26 Frauen, 24 Männer, mittleres Alter 22 Jahre) 3 x 10
Dragees Plazebo/die über 7 Tage. Die Patienten wurden insgesamt 14 Tage beobachtet.
In der Verumgruppe hielt der Druckschmerz 3,84 Tage an, in der Plazebogruppe 6,98 Tage (p
< 0,001). Die mittlere Scoresumme für die Schmerzstärke betrug unter der Medikation
5,66 und unter Plazebo 10,48 (p < 0,001) (Abb. 2).

Abbildung 2
Als Nebenwirkungen traten in der Verumgruppe Blähungen und leichte Durchfälle auf,
die jedoch keine Dosisreduktion erforderlich machten. Unter Wobenzym wurden nach dem
Urteil der Prüfärzte 67% der Patienten erfolgreich therapiert, unter Plazebo betrug
dieser Prtozentwert nur 14. Insgesamt wurde mit dem Präparat Wobenzym bei guter
Verträglichkeit ein guter therapeutischer Erfolg erzielt, der durchweg statistisch
hochsignifikant war.
Nach Meniskusoperationen wird der Heilungsverlauf häufig durch übermäßige Ödembildung
und Gewebsschwellung verzögert oder kompliziert.
In einer Doppelblindstudie von Dr. H.-D. Rahn, Wiesbaden, sollte daher
festgestellt werden, inwiefern Wobenzym die Wundheilung günstig beeinflußt und ob
dadurch die frühfunktionelle Nachbehandlung verbessert werden kann.
Dazu wurden 25 Patienten mit bis zu 30 Dragees Wobenzym/die therapiert, 25 mit
entsprechender Menge Plazebo.
Unter der Medikation war bereits am 3. postoperativen Tag im Vergleich zu Plazebo die
Ausdehnung des Wundödems um 0,4 cm verringert, am 5. Tag betrug die
Abschwellungsdifferenz 0,93 cm.
7-8 Tage nach Behandlungsbeginn mit Wobenzym konnten die Patienten das operierte
Kniegelenk bis zum 90° beugen, dies gelang in der Plazebogruppe erst am 9. postoperativen
Tag (Abb. 3). Als Folge davon konnte in der Verumgruppe mit Belastungsübungen
entsprechend früher begonnen werden.

In der Verumgruppe traten 10mal, in der Plazebogruppe 7mal Nebenwirkungen auf. Die
häufigste Nebenwirkung unter Wobenzym waren weiche Stühle (4 Patienten), rötlicher Urin
(2 Patienten). Müdigkeit trat einmal auf, die Behandlung wurde einmal abgebrochen (in der
Plazebogruppe insgesamt 2mal).
Unter Wobenzymmedikation werden günstige Voraussetzungen für die Wundheilung und auch
für eine frühzeitige Mobilisierungsbehandlung nach Meniskusoperation geschaffen.
Zur prä- und postoperativen Behandlung mit Wobenzym bei FrakturOperationen referierte Dr.
G. Masek, Wiesbaden.
In einer klinischen Doppelblindstudie an 120 Patienten werden Wirksamkeit und
Verträglichkeit von Wobenzym im Vergleich zu Plazebo geprüft. Die Patienten erhalten
täglich 6 x 4 Dragees Wobenzym bzw. Plazebo. Die Ergebnisse der ersten 20 Patienten
wurden vorgestellt.
10 Patienten erhielten präoperativ Wobenzym, 10 Patienten Plazebo, postoperativ wurden 9
Patienten mit Wobenzym behandelt und 11 Patienten mit Plazebo.
Bei Patienten, die präoperativ Wobenzym erhalten hatten, betrug der stationäre
Aufenthalt 16 Tage, bei solchen, die präoperativ Plazebo erhalten hatten, 20 Tage. Am 5.
Tag der stationären Aufnahme war in der Wobenzymgruppe das Ödem um 70% zurückgegangen,
in der Plazebogruppe betrug der Prozentwert 10. Die Verbesserung betrug 80 bzw. nur 10% am
Operationstag. Postoperativ war das Ödem in der Wobenzymgruppe am 7. Tag um 85% bzw. in
der Plazebogruppe um 77% reduziert.
Am 5. präoperativen Tag waren die Schmerzen der Verumgruppe um 33% reduziert, in der
Plazebogruppe jedoch nur um 17%. Am Operationstag betrug die Verbesserung für beide
Gruppen 67% . 7 Tage nach der Operation waren die Patienten der Wobenzymgruppe
schmerzfrei, in der Plazebogruppe lagen die Schmerzen noch bei 33% des Ausganswertes.
Insgesamt berichteten 2 Patienten unter Wobenzym über harmlose Nebenwirkungen, ein
Patient brach die Therapie ab. Unter Plazebo hatten 6 Patienten Nebenwirkungen, davon
beendeten 2 die Behandlung vorzeitig.
Wobenzym erwies sich auch in dieser ersten Untersuchungsphase als ein wirksames
Therapeutikum bei der prä- und postoperativen Behandlung von Frakturoperationen.
Immuntherapie bei der Krebsbekämpfung zunehmend bedeutsam
Bei der Krebsbekämpfung gibt es, so führte Prof. Dr. Dr. H. Wrba, Wien,
in seinem Vortrag aus, prinzipiell zwei therapeutische Angriffspunkte:
Die Herabsetzung der Virulenz der Geschwulste bzw. die Abtötung des Tumors und die
Unterstützung, Steigerung und Verbesserung der Abwehrkraft des Organismus.
Der erste Weg wird in der Behandlung mit Zytostatika beschritten, der zweite Weg ist
Inhalt der Immuntherapie.
Mit dem Einsatz von Enzymen in der Immuntherapie wird in die Tumor-Wirts-Beziehung
eingegriffen. So besitzen hydrolytische Enzyme die Fähigkeit, die Schutzhülle mancher
Krebszellen anzugreifen, d. h. sie können z. B. die Membran modulieren.
Indikationsgebiete für hydrolytische Enzyme sind Erkrankungen, bei denen große Mengen
zirkulierender Antikörper vorhanden sind, z. B. Melanome oder Mammakarzinom. Mit dem
Enzymgemisch Wobe-Mugos sind in lezter Zeit eine ganze Reihe vielversprechender Studien an
Patienten z. B. mit Pankreaskarzinom begonnen worden. Insgesamt wird in Zukunft der
Verhütung der Krebskrankheit bzw. der Verminderung des Ausbruchs von Krebsfällen eine
zunehmende Bedeutung beigemessen. Dabei ist mit der Immuntherapie im experimentellen wie
klinischen Bereich eine gute Basis gelegt.
Die Krebserkrankung korreliert mit einem funktionellen Immundefizit. Daher ist es für die
Patienten schicksalsentscheidend, ob ihre immunologische Abwehr ausreicht, um mit den bei
einer Operation zurückgebliebenen Krebszellen fertig zu werden.
Deshalb empfiehlt Dr. O. von Rokitansky, Wien, die Patienten bereits
präoperativ in systemischer Anwendung mit hydrolytischen Enzymen zu behandeln und diese
zusätzlich peri- und intratumoral zu injizieren. Dabei, so seine Erfahrung, induziert die
Enzymbehandlung eine deutlich gesteigerte Abwehrleistung gegen die Tumorzellen.
Gleichzeitig wurden den Patientinnen mit Mammakarzinom zu der Enzymbehandlung bis zu 200
000 i. E. Vitamin A gegeben, was die zelluläre Immunität, insbesondere die
Makrophagenaktivität weiter steigerte. Gerade beim Mammakarzinom liegt ein hoher Spiegel
an pathogenetisch bedeutsamen Immunkomplexen vor. Ein wesentlicher Ansatzpunkt der
Enzymtherapie liegt in der Spaltung und dadurch möglichen Elimination dieser Faktoren.
Darüber hinaus sind die Krebszellen gegenüber hydrolytischen Enzymen empfindlicher als
die Normalzellen. Die Summation all dieser Effekte führt zu einer deutlichen Reduktion
der Generalisierungsneigung.
Klinische Erfahrungen in der Karzinomtherapie und bei Herpes zoster
Über klinische Erfahrungen in der Behandlung des Pankreaskarzinoms mit Enzymen
berichtete Dr. E. M. Ernst, Bad Rappenau, in seinem Vortrag.
Bei einem Patienten wurde 1984 ein Rektumkarzinom festgestellt und behandelt, das aber
1985 rezidivierte. 1986 schloß sich eine Ileus-Operation an. Im Bereich der Narbe bildete
sich eine Impfmetastase mit einem Durchmesser von 8 x 6 cm, die Weichteile darunter waren
verschiebbar.
In diesen Tumor wurden insgesamt 14mal 400 mg Wobe-Mugos injiziert (alle 3 Tage). Vor der
Injektion wurde aus dem Tumor 3-5 ml zähflüssige braune Flüssigkeit aspiriert. Bei der
Entlassung des Patienten maß der Tumor 1,5 cm im Durchmesser. Als der Patient zur
Nachuntersuchung erschien, war der Tumor ganz verschwunden.
Auch andere Patienten mit malignen Melanomen der Haut wurden durch Punktion und
anschließende Injektion mit Wobe-Mugos erfolgreich behandelt.
Im Anschluß an diesen Vortrag sprach Dr. W. König, Bonn, über den
Einsatz von Wobenzym bei der Mastopathia fibrosa cystica. In einer Studie wurden 124
solcher (Durchschnittsalter 36 Jahre) mit 2mal 10 Dragees Wobenzym/die über 36 75
Tage behandelt (Gruppe 1).123 solcher Frauen wurden über einen Beobachtungszeitraum von
21 60 Tagen ebenfalls mit 2mal l0 Dragees Wobenzym in Kombination mit 1000 mg
a-Tocopherol therapiert (Gruppe 2).
Durch die Behandlung konnten in der ersten Gruppe 80 Regressionen erzielt werden: Die
Symptome waren rückläufig und die Veränderungen verschwanden langsam.
In der zweiten Gruppe wurden 105 Regressionen festgestellt. Zur Rezidivbehandlung wurde in
einigen Fällen erfolgreich über 3 Jahre mit 2mal 5 Dragees Wobenzym/die und 500 mg
a-Tocopherol bis zur Rezidivfreiheit behandelt.
Zur Therapie des Herpes zoster mit Enzymen sprach Dr. Dr. W. Scheef, Bonn.
Wobenzym sollte möglichst sofort bei Auftreten der Zostereffloreszenzen eingesetzt
werden. Dazu sind täglich bis zur Beschwerdefreiheit 200 mg Wobe-Mugos i.m. zu spritzen.
Bisher erfolgte bei 39 solchermaßen behandelter Personen eine Auswertung. Bei keinem der
Patienten versagte die Therapie. Die Erkrankten waren innerhalb von 14 Tagen schmerzfrei.
Keiner der Patienten entwickelte bisher eine Zoster-Neuralgie, wobei die Behandlung
mittlerweile schon bis zu 3 Jahre zurückliegt.
Günstige Wirkung von proteolytischen Enzymen bei Entzündungen und Gefäßerkrankungen
PD Dr. J.-P. Guggenbichler, Innsbruck, beobachtete, daß
Staphylokokken in den Granulozyten von Patienten über Stunden überleben und sich sogar
vermehren können. Wahrscheinlich können die Staphylokokken überleben, weil sie sich in
einen fibrinmantel hüllen und deshalb für die körpereigene Abwehr nicht mehr angreifbar
sind. Dies ist ein Phänomen der Plasmakoagulase-Aktivität, einem wesentlichen
pathogenetischen Faktor der Staphylokokken.
In Experimenten von Guggenbichler konnte die Plasmakoagulaseaktivität der Staphylokokken
durch WobeMugos blockiert werden. Darüber hinaus waren bereits gebildete Fibrinklumpen
durch das Enzymgemisch auflösbar. Die Bedeutung dieses Phänomens wird in weiteren
Untersuchungen abgeklärt.
In einer doppelblind angelegten Cross-over-Untersuchung an 10 Freiwilligen sollte die
Wirkung von Wobenzym auf die Blutparameter festgestellt werden. PD Dr. E. Ernst,
München, gab den Probanden für 2 Wochen 30 Dragees Wobenzym bzw. Plazebo/die.
Daraufhin wurde die Medikation 1 Woche ausgesetzt, dann erfolgte ein Gruppenwechsel.
Unter Wobenzym kam es nach der ersten und der zweiten Behandlungswoche zu einem
signifikanten Abfall der Plasmaviskosität.
Ähnlich verhielten sich Serumviskosität und Enzymflexibilität und Aggregabilität.
Wobenzym induziert Veränderungen der Blutrheologie bei Gesunden; diese Eigenschaft
könnte im Sinne einer hämorheologischen Therapie bei Durchblutungsstörungen genutzt
werden.
In hervorragender Weise hat sich Wobenzym bei chronisch arteriellen
Durchblutungsstörungen, in denen der Schwellungszustand behandelt werden soll, bewährt,
führte Prof. Dr. H. Denck, Wien, aus. Es wurde eine Abschwellung
erreicht, und die Patienten waren frei von nächtlichem Ruheschmerz.
Auch bei Patienten, bei denen die Strombahn durch Embolektomie wiederhergestellt wurde und
bei denen die Ischämiezeit länger als 6 Stunden gedauert hatte, verabreichte Prof. Denck
mit gutem Erfolg Wobenzym: Es traten viel seltener postischämische Schwellungen und
periphere Ischämien auf.
Zum Einsatz von Enzympräparaten bei Adnexitis referierte Prof. Dr. F. W. Dittmar,
Starnberg.
Die Adnexitis ist eine Erkrankung, die bei jungen Frauen bis zur Infertilität und
Sterilität führen kann. Als Standardprogramm bei akuter Adnexitis wird eine
Antibiotikatherapie durchgeführt; auch physikalische Maßnahmen werden eingesetzt, um den
Heilungsverlauf zu unterstützen. Ebenso besteht die Möglichkeit, daß durch Wobenzym
sowohl die Veränderungen im Bereich des äußeren Tubenabschnittes als auch im Aufbau des
Endothels positiv beeinflußt werden können bzw. operativ wiederhergestellte
Verhältnisse stabil gehalten und Rezidive verhindert werden können.