Hydrolytische Serumaktivität und orale Enzymtherapie
Schaik W.*, Kleine M.**
* MUCOS Pharma, Geretsried , Deutschland
** Facharzt für Allgemeinmedizin, Allergologie, Phlebologie, Sportmedizin;
Planegg, Deutschland
10. Tagung über Infektionen in der Gynäkologie und der Geburtshilfe, München-Großhadern, März 1995; Suppl. zu J. Inf. Immunol. Dis. 1996, Nr. l., s. 30-38
PZ 7 (18-09-3)
Die Beobachtung von Freund und Kaminer (l), daß im Serum von Tumorpatienten
eine geringere hydrolytische Aktivität vorliegt, was durch die lytische Kapazität
gegen bestimmte kultivierte Tumorzellen gezeigt werden kann, war für Wolf (2)
der Schlüssel für die Entwicklung der oralen Enzymtherapie". Er fand
eine Korrelation zwischen der allgemein geringeren hydrolytischen Aktivität in
den Seren von Tumorpatienten und der von Freund und Kaminer beschriebenen
zytolytischen Aktivität. Er zeigte, daß dies die Folge des Verlustes der
hydrolytisch-proteolytischen Enzymaktivität war. Der wichtigste Schritt war die
Entwicklung eines Konzeptes, um diese hydrolytische Aktivität durch die
Verabreichung oraler spezifischer Enzympräparate wiederherzustellen.
Im Lauf der Zeit erweiterten Wolf (2), Innerfield (3), Gaschler (4) und andere
Wissenschaftler das Konzept für eine Enzymtherapie, indem sie die Behandlung
von Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Durchblutungsstörungen usw. einschlössen.
In all diesen Fällen war die Wiederherstellung der hydrolytischen Aktivität
notwendig für eine erfolgreiche Therapie.
In letzter Zeit durchgeführte klinische kontrollierte Studien haben die
Sicherheit und therapeutische Wirksamkeit einer oralen Enzymtherapie gezeigt und
dabei dieses Konzept gestärkt (5). 1991 wurde eine neue Enzymkombination eingeführt:
Phlogenzym®, bestehend aus 90 mg Bromelain, 48 mg Trypsin und 100 mg Rutin.
Da keine früheren Erfahrungen darüber vorlagen, wie dieses Präparat die
hydrolytische Aktivität des Serums beeinflußt, wurde die folgende Studie
durchgeführt. Die Messung der hydrolytischen Aktivität nach der weit
verbreiteten Euglobulin-Lysis-Zeit-Methode (6, 7, 8, 9, 10, 11) war aus
verschiedenen Gründen nicht geeignet (12). Maehder und Weigelt (13) beschrieben
eine spezielle Methode, die nur kleine Serumvolumen erfordert, die für die
beabsichtigten Messungen geeignet war, da die Inkubationszeit von ursprünglich
24 Stunden auf 48 Stunden verlängert wurde.
Studiendesign
Zwei Serien von Serumproben wurden von 12 gesunden Probanden gemäß folgendem Protokoll erhalten:
Teil l: keine Medikamenteneinnahme (physiologisches Tagesprofil der
hydrolytischen Aktivität)
Serumproben wurden entnommen vor Studienbeginn und nach l, 2, 4, 6, 10, 12,
16, 20 und 24 Stunden.
Teil 2: Einzeldosis von 4 Tabletten:
3 Gruppen zu je 4 Probanden
Die Medikamenteneinnahme erfolgte auf nüchternen Magen mit 100 ml Wasser.
Messung der hydrolytischen Aktivität
Hämoglobin wurde nach der Methode nach Rick (14) denaturiert. Um 100 ml Agar
zu erhalten, wurde eine erhitzte Lösung (bis zu 60° C) von 13 ml Hämoglobinsubstrat
in 87 ml Agarsuspension in PBS (Phosphat-gepufferter Saline) bei gleicher
Temperatur aufgelöst. 25 ml dieser Mischung wurden in eine Petrischale
gegossen. Nach dem Abkühlen wurden mit einer Schablone 6 Taschen mit einem
Durchmesser von je 3,9 mm in den Agar gestanzt.
Jeweils 0,050 ml der Serumproben der Probanden 1-6 oder 7-12 wurden in die
Agarplatten gefüllt. Die Platten wurden 48 Stunden bei 37° C inkubiert. Die
hydrolytische Spaltung der Substrate verursachte einen Farbumschlag vom Rot des
Hämoglobins in ein blasses Gelb. Der gemessene Durchmesser dieses Lysehofes
korreliert mit der hydrolytischen Aktivität des untersuchten Serums.
Wegen der Genauigkeit wurden die Messungen in vier parallelen Testreihen
durchgeführt. Jede Serie der vier Platten wurde zudem viermal gemessen - daher
ist jeder Punkt in den Abbildungen der Mittelwert von 16 Einzelmessungen.
Ergebnisse
Teil 1: normales Tagesprofil der hydrolytischen Aktivität
Die hydrolytische Serumaktivität zeigt im Verlauf von 24 Stunden (Abb. 1-12, Tagesprofil) einen physiologischen zirkadianen Rhythmus mit einigen typischen Fluktuationen. In der 15. und 19. Stunde fanden wir eine herabgesetzte hydrolytische Aktivität, was mit dem Verdauungsprozeß übereinstimmen würde. Am spektakulärsten war das Ergebnis, daß während der Nacht nur ein Minimum an Serumaktivität vorhanden war.
Teil 2: Einzeldosis von 4 Tabletten
Abbildungen 2 bis 13: jede Kurve gibt den täglichen Verlauf der
hydrolytischen Aktivität im Serum wieder, verglichen mit der hydrolytischen
Aktivität des Serums nach der Phlogenzym®-Einnahme. Auch wenn nur 1 Tablette
Phlogenzym® eingenommen worden war, konnte ein signifikanter Anstieg der
hydrolytischen Aktivität im Serum nachgewiesen werden (Abbildungen 1 bis 4).
Ansteigende Dosen von 2 (Abbildungen 5 bis 8) oder 4 Tabletten (Abbildungen 9
bis 12) zeigten eine deutlich größere Wirkung. Jedoch konnte zwischen 2 und 4
Tabletten kein statistisch signifikanter Unterschied gefunden werden. In einem
Fall zeigte sogar 1 Tablette einen vergleichbaren Einfluß auf die hydrolytische
Aktivität des Serums (Proband Nr. 12, Abb. 4).
Die Ergebnisse dieser Studie haben uns ermutigt, nach anderen sensitiven Methoden zur Messung der hydrolytischen Aktivität zu suchen, insbesondere einen photometrischen Versuch. Diese Ergebnisse werden in Kürze publiziert werden.
Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 3

Abbildung 4

Abbildung 5

Abbildung 6

Abbildung 7

Abbildung 8

Abbildung 9

Abbildung 10

Abbildung 11

Abbildung 12

Literatur